Feierstunde des Experimentalwettbewerbs
"Chemie entdecken" am 6. Juli 2011 an der
Universität zu Köln
Der Experimentalwettbewerb
"Chemie entdecken" für Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe I in
Nordrhein-Westfalen blickt im Schuljahr 2010/2011 wieder auf ein sehr
erfolgreiches Jahr zurück: 9.407 Jugendliche nahmen an den beiden
Wettbewerbsrunden teil und damit rund 85.000 seit dem Start des
Wettbewerbs im Jahr 1999. Der Arbeitskreis "Chemie entdecken" im "Kölner
Modell" an der Universität zu Köln gestaltet diesen Wettbewerb und
richtet ihn aus, wozu auch eine jährlich stattfindende Feier für die
Preisträger gehört. In diesem Jahr wurden die 354 Preisträger am
Mittwoch, 06. Juli 2011, im Kurt-Alder-Hörsaal des Departments Chemie
geehrt, wobei die Ministerin für Schule und Weiterbildung, Sylvia
Löhrmann, die Ehrung zusammen mit dem Arbeitskreis vornahm. Eingeladen
waren auch je eine Begleitung der Preisträger, Vertreter von
Schulbehörden, der Universität zu Köln, von Verbänden, der Chemischen
Industrie und den Medien. Ferner waren 5 Schülerinnen und Schüler der
Anna-Freud-Schule Köln, einer weiterführenden Förderschule für
Körperbehinderte, mit ihrer Lehrerin zu Gast. Sie hatten sich nach
Kräften am Wettbewerb beteiligt.
Prof. Dr. Hans-Günther Schmalz,
Altdekan der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät der
Universität zu Köln, begrüßte die rund 750 Gäste aus allen
Altersschichten auch im Namen der Universitätsleitung. Er gratulierte
den Schülerinnen und Schülern zu ihrem Erfolg und lobte u. a. ihren
engagierten und erfolgreichen Einsatz in der Chemie bereits in so jungen
Jahren. Er betonte, dass den Lehrern nach wie vor eine Schlüsselrolle
dabei zukommt, den Nachwuchs von der Bedeutung und der Faszination der
Naturwissenschaften zu überzeugen und sieht auch die Universität in der
Pflicht, dies zu vermitteln. Für junge Menschen, die heute Chemie
studieren, sieht Prof. Schmalz sehr gute berufliche Zukunftsperspektiven
beispielsweise im Bereich der Material- und Lebenswissenschaften, weil
sie die Welt der Moleküle besonders gut verstehen. Schmunzeln und Raunen
bei den Zuhörern löste seine Bemerkung aus, dass man in Chemie - wenn
man die Grundlagen verstanden hat - sich das meiste denken kann und das
Fach daher durchaus eine komfortable Situation für etwas (lern-)faule
Menschen bieten kann. Die Universität schätzt diese Partnerschaft Uni -
Schule in Form des "Kölner Modell" sehr, unterstützt sie nachhaltig
durch Zeit und Räume, die sie zur Verfügung stellt, und hat die Absicht,
dies auch in Zukunft zu tun. Insgesamt ist sie stolz auf die
Erfolgsgeschichte dieses chemiespezifischen Wettbewerbs.
Ministerin
Löhrmann betonte in ihrer Ansprache, sie freue sich als Schulministerin
ganz besonders darüber, dass die Aufforderung "Chemie entdecken" bei so
vielen Schülerinnen und Schülern auf offene Ohren gestoßen ist. Sie
empfand die Zahl von über 9.400 Teilnehmern als sehr beeindruckend und
sah die Schülerbeiträge zum Wettbewerb als Beweis an, dass Chemie
überaus spannend sein kann und uns die Welt erklären kann. Die Gründe
für den Erfolg von "Chemie entdecken" liegen ihrer Meinung nach in der,
wie sie sagte, hervorragenden Konzeption des Wettbewerbs, die den Bezug
zur Alltags- und Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler herstellt und
hilft, die Chemie im echten Leben der Schüler zu verankern. Sie hofft,
dass dies auch auf den Chemieunterricht ausstrahlt, zumal die
Kernlehrpläne in Chemie - und nicht nur in diesem Fach - solche Bezüge
auch ausdrücklich vorsehen. Da das 21. Jahrhundert nicht zuletzt das
Jahrhundert der Mathematik, der Informatik, der Naturwissenschaften, der
Technik und der Ingenieurwissenschaften sein wird, ist es von großer
Bedeutung, das Interesse junger Menschen an diesen Bereichen früh zu
wecken und zu fördern. Sie richtete den Appell an die Schülerinnen und
Schüler im Hörsaal, ihre Begeisterung für die Chemie mit andern zu
teilen und als Multiplikatoren zu wirken. Die Ministerin schloss mit
einem großen Dank an alle, die den Wettbewerb unterstützen, und an die
Preisträgerinnen und Preisträger für ihr Mitmachen.
Anschließend
präsentierte Dr. Elke Schumacher, Leiterin des Wettbewerbs, einen
Rückblick zu den beiden vergangenen Aufgaben des Schuljahres mit den
neuesten statistischen Zahlen und Ausschnitten aus Wettbewerbsarbeiten,
die zum Nachdenken oder auch zum Schmunzeln anregten. Der erste
Wettbewerb im August 2010 hatte den Titel "E 330 kann's". Die E-Nummer
steht für Citronensäure und es galt, die Eigenschaften und Reaktionen
dieser Säure zu testen. Es wurde z. B. ihre Wirkung auf Rotkohl, Natron,
Eierschalen oder Obst geprüft und auch mit Haushaltsessig verglichen.
Eine Herausforderung stellte die Aufgabe dar, selbst eine ideale
Superbrause mit Citronensäure, Natron und weiteren Zutaten zu
entwickeln. Der Frühjahrswettbewerb "Gips mit Grips" stand ganz im
Zeichen des Baustoffes Gips. Er musste unter verschiedenen Bedingungen
beim Abbinden, Recyceln oder nach Hinzufügen von Zusatzstoffen getestet
werden . Daneben mussten Recherchen zu Gips als Bauuntergrund oder zu
Fragen zum Umweltschutz, z. B. REA-Gips durchgeführt werden. Viel Spaß
bereitete den Schülern die abschließende Aufgabe, aus Gips eine
originelle bunte Skulptur zu fertigen.
Nach dem Rückblick folgte ein
kurzer Blick auf die für dieses Jahr vorbereiteten Preise, die am Ende
der Feier im Foyer überreicht werden sollten. Zu dem umfangreichen
Geschenkpaket, das dort auf jeden Preisträger wartete, gehörte auch ein
Stück sog. "Marienglas", eine besonders schöne auskristallisierte Form
von Gips. Die Bitte des Arbeitskreises um Marienglasstücke fand beim
Bundesverband der Gipsindustrie Gehör, kostete aber viel Zeit,
finanziellen Aufwand und Mühe. Eine in Frage kommende Lagerstätte liegt
in Mazedonien, zu der jemand hinreisen, vor Ort die Stücke per Hand
herausschneiden und in eine Kiste packen musste. 600 kg Gestein wurden
von dort trotz aller Zoll- und Transportprobleme auf den Weg gebracht,
landeten dank der finanziellen Unterstützung durch die Fa. Knauf im Büro
des Verbandes in Berlin, wo Herr Dr. Kersten und seine Sekretärin
Marienglasstücke in 400 Plastiktüten packten und die Kiste anschließend
nach Köln sandten.
Einen der Höhepunkte stellte wieder der von allen
Gästen mit Spannung erwartete Experimentalvortrag "Chemie - mit allen
Sinnen?" dar, den Prof. Dr. Gerd Meyer speziell für die Preisträger
zusammengestellt hatte. Prof. Meyer, Hermann Krings und Markus Larres
demonstrierten und kommentierten viele eindrucksvolle Reaktionen, die
alle unsere Sinne ansprechen sollten - was auch auf exzellente Weise
gelang. Reaktionen, die gut rochen, sich unangenehm anfühlten, gut
schmeckten - wie Prof. Schmalz am vom Hobbykoch Meyer meisterhaft
gebratenen Steak prüfen durfte - gehörten zur Palette. Am nachhaltigsten
beeindruckten wieder einmal solche Reaktionen, die mit großartigen
Feuererscheinungen und lautem Knall abliefen. Die Zuschauer waren total
begeistert und dankten den Referenten mit kräftigem und lang anhaltendem
Beifall. Seit 1999 tragen Prof. Gerd Meyer und Hermann Krings in
ununterbrochener Folge mit einem Highlight-Experimentalvortrag zum
Gelingen der jeweiligen Feier bei.
Ministerin Löhrmann zeichnete die
54 Doppelpreisträger, also diejenigen, die in beiden Wettbewerben des
Schuljahres besonders erfolgreich waren, mit Urkunden und Geschenken
aus. Die Doppelpreisträger aus den Klassenstufen 6 und 7 wurden
zusätzlich durch den Verband der Chemischen Industrie NRW und das
Deutsche Museum Bonn von Uwe Wäckers eingeladen zu einem Workshop: Sie
dürfen im Oktober einen Samstag lang im Deutschen Museum Bonn in der
"ExperimentierKüche" mit Kartoffeln experimentieren, sich mit
Kriminologie befassen und das Museum erkunden. Ein Doppelpreisträger aus
der Klassenstufe 8, der von Klasse 5 an in ununterbrochener Folge
Preisträger im Wettbewerb war, hat zusätzlich für seine gesamte Klasse
einen eintägigen Workshop im Schülerlabor Baylab plastics, Leverkusen
erhalten; diese Einladung wurde von Karl-Heinz Wagner, Leiter des
Schülerlabors, überreicht. Die Doppelpreisträger aus den Klassen 9 und
10 dürfen in den Herbstferien vier Tage lang in den
Ausbildungslaborräumen von Currenta in Dormagen unter professionellen
Bedingungen experimentieren, wozu sie Helmut Knoch eingeladen hat. Für
die Unterkunft während dieser Zeit sorgt sowohl organisatorisch als auch
finanziell der Wettbewerb "Chemie entdecken". Die zehn beim Wettbewerb
engagiertesten Schulen des Landes - alle Schulformen wurden anteilsmäßig
berücksichtigt - erhielten von Ministerin Löhrmann Urkunden des
Ministeriums. Zusätzlich überreichten Dr. Roland Braun, Fa. Hedinger,
und Toni Cramer, Klett Verlag, Geschenkpakete mit Experimentiersets und
elektronischen Medien zur Unterstützung des Chemieunterrichts. Der Aulis-Verlag
spendete ein Experimentierbuch zum Thema Supermarkt. Ebenfalls geehrt
wurden sechs Korrektoren, die sich jahrelang intensiv an der Beurteilung
der eingegangenen Schülerarbeiten beteiligt hatten. Sie erhielten ein
Anerkennungsschreiben, DVDs vom Klett Verlag und ein Buch vom Aulis-Verlag
zu Chemie-Experimenten.
Dass die Jahresfeier, verbunden mit der
Schülerehrung, in gewohnter Weise durchgeführt werden konnte und mit
attraktiven Geschenkpaketen ausgestattet war, ist der vielseitigen
Unterstützung des Projekts zu verdanken, insbesondere durch die
Universität zu Köln. Tatkräftige Korrekturhilfe bei den eingesandten
Lösungen leisteten Kolleginnen und Kollegen aus verschiedenen
Landesteilen, sowie Helfer des Instituts für Anorganische Chemie, Uni
Köln, des Instituts für Chemie und ihre Didaktik, Uni Köln, und des
Instituts für Anorganische Chemie, Uni Siegen. Materielle Hilfe kam vom
Fonds der Chemischen Industrie sowie von vielen weiteren Förderern.
14. Juli 2011
Elke Schumacher
Programm der Feierstunde (bitte anklicken)
Eindrücke von der Feierstunde - einige Bilder (bitte anklicken)
Gruppenbilder zum Download (Größe ca. 1,3 MB je Bild, geeignet zum Ausdrucken auf 10x15 cm; Download: rechte Maustaste und "Ziel speichern unter" oder "Grafik speichern unter"):
Bilder von der Urkundenübergabe an die einzelnen
Doppelpreisträger, der Ehrung der Schulen und der Korrektoren sowie
zugehörige Gruppenbilder können in verschieden Größen (auch in einer
zum Drucken geeigneten Auflösung "Original") betrachtet und heruntergeladen werden unter (Weiterleitung zu Flickr®):
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Alle Bilder wurden fotografiert von Roman Oranski, Köln.
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